Hundert Jahre – das ist ein Anlass für Konfetti und eine große Feier! Und Anlass für zwei Fragen: Warum gibt es Haus Ohrbeck eigentlich? Und: Warum gibt es Haus Ohrbeck bis heute?
Die ersten Franziskaner, die 1918 ihre Wohnbaracken in Holzhausen errichten, kommen mit klarem Auftrag: Bildung für die ländliche Bevölkerung. Und noch vor Kirche und Konvent ist es 1926 fertig: Das Exerzitienhaus der Franziskaner, in dem sie Frauen und Männer in Fragen der christlichen Lebensführung unterrichten.
In den gesellschaftlichen Veränderungen der 1960er Jahre entschließen die Franziskaner sich zu einer grundlegenden Neuausrichtung: Sie reagieren auf die Bedürfnisse der Menschen und öffnen das Haus für Veranstaltungen zu den Themen, die die Menschen in ihrem Lebensalltag beschäftigen. In bemerkenswerter Weise zeigt dieser Schritt, wie sehr der franziskanische Grundgedanke »Im Mittelpunkt steht der Mensch« gelebte Praxis ist. Aus dem Exerzitienhaus wird 1971 Haus Ohrbeck.
Das Selbstverständnis des Hauses formuliert im ersten Programmheft ein kurzer, bis heute wegweisender Text: »Haus Ohrbeck ist ein Haus des Dialoges und der Begegnung; in kritischem Gespräch sollen Brücken geschlagen und Vorurteile abgebaut werden. Es soll nüchtern, exakt und umfassend informiert werden; in der Auseinandersetzung mit dem Gehörten und Erarbeiteten werden Lernprozesse angestoßen und ein Stück Selbstfindung und damit Lebenshilfe geleistet. So empfiehlt sich Haus Ohrbeck jedem, der lebenslanges Lernen als Notwendigkeit erkannt hat und sich nicht scheut, eigene Standpunkte in Frage stellen zu lassen.«
Ausgestattet mit diesem starken inneren Kompass gelingt es Haus Ohrbeck bis heute, Menschen in der ganzen Vielfalt ihrer Lebenswirklichkeiten zu erreichen. Das Haus arbeitet nah an den Themen und Bedürfnissen, die »oben auf« liegen und bietet Menschen die Möglichkeit zur offenen und kritischen Auseinandersetzung mit den – gerade zur Zeit sehr ungewissen – gesellschaftlichen und politischen Veränderungsprozessen.
Und auch Haus Ohrbeck selbst ist und bleibt in Veränderung: 2026 findet die Gründung der Stiftung Kloster Ohrbeck und die anschließende Umwandlung des Haus Ohrbeck e.V. in die Haus Ohrbeck gGmbH statt. Damit stellt die Deutsche Franziskanerprovinz sicher, dass Haus Ohrbeck mit langer Zukunftsperspektive im franziskanischen Sinne weiterarbeiten kann.