Was auf den ersten Blick wie eine Holzskulptur aussieht, entpuppt sich auch bei näherer Betrachtung als Kunstwerk – allerdings für Sechsbeiner: Es ist eine Käferburg aus unterschiedlichen Totholzsorten, die zugleich Behausung und Nahrung für alle Käfer ist, die im Garten von Haus Ohrbeck unterwegs sind.
Die Idee zu dieser Käferburg hatte Lisa Schröder, die bis April 2026 als FSJlerin in unserem ökologischen Schwerpunkt »Umwelt, Natur und Nachhaltigkeit« bei uns mitarbeitet. Lisa beschäftigt sich insbesondere mit der Frage, wie das Ökosystem zusammenhängt und aufeinander angewiesen ist. Am Beispiel von Totholz lässt sich das im Kleinen eindrucksvoll zeigen:
Für den Bau der Käferburg hat Lisa im Garten einen sehr sonnigen und ruhigen Standort ausgewählt. Das Material – verschiedene Tothölzer wie Wildkirsche, Eiche, Rotbuche, Fichte… – stammt aus dem angrenzenden Boberg. Gemeinsam mit Josef Könning, ihrem FSJ-Mentor, hat Lisa die gesammelten Äste und Baumstümpfe etwa 60 cm tief eingegraben und anschließend mit Holzsplitt verfüllt. Die Vielfalt der Hölzer ist wichtig, weil verschiedene Käferarten unterschiedliche Tothölzer brauchen: »Die Tothölzer sind für Käfer nicht einfach nur nützlich oder praktisch«, erklärt Lisa, »sondern es gibt zum Beispiel allein 500 Käferarten, die für ihr Überleben speziell auf Eichentotholz angewiesen sind.« Das Vorhandensein bestimmter Hölzer zieht neue Käfer übrigens auch an und so hofft Lisa, dass die Eiche den Hirschkäfer anlocken könnte… Wir werden das beobachten!
Die Käferburg macht ganz konkret sichtbar, wie das Ökosystem zusammenhängt: Tothölzer bieten Behausung und Nahrung für Käfer – die Käfer zersetzen die Tothölzer und helfen dadurch mit beim »Aufräumen« des Waldes. Zuvor allerdings sorgen sie auch noch für Nachnutzung: Die Käfer hinterlassen im Holz so präzise runde und glatte Bohrlöcher, dass Wildbienen anschließend gerne ihre Nester in ihnen bauen. Im Vergleich dazu sind die Innenseiten von Löchern, die Menschen für Bienen bohren, meistens rauh und uneben und werden deswegen oft nicht angenommen. Wer nah genug an die Käferburg herangeht und genau hinschaut, sieht übrigens schon jetzt einige dieser Löcher.
Die Käferburg ist – und das liegt buchstäblich in ihrer Natur – ein vergängliches Kunstwerk: Zusammen mit der Witterung werden die Käfer die Tothölzer zersetzen – allerdings je nach Dicke der Äste und Stämme erst im Laufe von Jahrzehnten, so dass die Käferburg uns lange erhalten bleiben wird.
Die Käferburg ist Lisas Abschlussgeschenk für Haus Ohrbeck – wir freuen uns sehr darüber und bedanken uns herzlich!
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