Geistlicher Leiter: Br. Andreas Brands ofm


Mit einer Handvoll Kartons, leise und zügig ist Br. Andreas Brands in sein Büro eingezogen: Seit Oktober 2019 ist er Geistlicher Leiter von Haus Ohrbeck und Referent in den Bereichen Spiritualität, Beratung und Begleitung.


Ein unspektakulärer Umzug also? Einerseits ja – andererseits nein, denn die Kartons, die er hier auspackt, hat er in Berlin gepackt, wo er die Suppenküche der Franziskaner geleitet hat, die obdachlosen Menschen einen Anlaufpunkt bietet. Von Berlin nach Holzhausen, von der Suppenküche in die Erwachsenenbildung – dass seine Lebenswelten sich stark verändern können, ist Br. Andreas gewohnt: Seit über dreißig Jahren lebt er ein franziskanisches Leben.

Franziskanisch leben: Ankommen und aufbrechen
Br. Andreas tritt nach dem Abitur in den Franziskanerorden ein, studiert Theologie und macht vor der Priesterweihe eine Ausbildung zum Erzieher. »Nach dem Studium hatte ich ein großes Bedürfnis nach Bodenkontakt – ein wichtiges Anliegen für mich bis heute.« Sein erster Arbeitsort: Ein Kinderkrankenhaus in München, wo er schwerkranke und sterbende Kinder und ihre Familien begleitet. Nach einem Jahr wechselt er nach Neubrandenburg und arbeitet im Kinder- und Jugendnotdienst, einer Anlaufstelle für junge Menschen in Krisen und schwierigen Lebenssituationen. Drei Jahre später, 2001, bittet die Ordensleitung ihn erneut, eine andere Aufgabe zu übernehmen: Das Kloster der Franziskaner in Berlin-Pankow braucht einen neuen Leiter. Ein schwerer Schritt: »Ich habe mich in Neubrandenburg mit meiner Arbeit und den Menschen sehr wohl gefühlt. Wir hatten da eine volle Kirche, und in Berlin – ich habe die genau gezählt – anfangs 35 Leute ...« Es braucht drei Jahre und eine Reihe von Veränderungen, die er selbst vor Ort bewirkt, bis er angekommen und in seinem Element ist: Die Suppenküche läuft, bei den Menschen und in der Stadt ist er heimisch geworden, und mehr als voll ist die Kirche jetzt auch hier. Aber an anderen Orten wird er nötiger gebraucht: ab 2007 als Leiter des Jugendgästehauses der Franziskaner in Rheda-Wiedenbrück, ab 2010 als Guardian des Franziskanerklosters im bayerischen Eggenfelden, ab 2012 erneut in Berlin als Leiter der Suppenküche – und nun braucht Haus Ohrbeck einen neuen Geistlichen Leiter.

Die Schwierigkeiten, die dieses franziskanische Leben neben all den Möglichkeiten auch mit sich bringt, verschweigt Br. Andreas nicht: Aufgaben, Menschen und Orte immer wieder verlassen zu müssen, den eigenen Platz immer wieder neu suchen und finden zu müssen – oft, nicht immer, ist ihm das gelungen.

Wie schafft man den Einstieg in ein laufendes Haus?
In den ersten Wochen in Haus Ohrbeck ist Br. Andreas erstmal möglichst viel einfach »dabei«: Er beobachtet sehr aufmerksam, fragt und interessiert sich, sammelt Eindrücke und beginnt, sich ein erstes Bild zu machen: Vom Haus, von den Menschen, die hier arbeiten, von den tagtäglichen Abläufen quer durch alle Abteilungen. Er begleitet seine Kolleginnen und Kollegen in Seminare und macht Erfahrungen mit der pädagogischen Arbeit in der Erwachsenenbildung. »Handwerkszeug« bringt er dafür mehr als genug mit: Er ist Coach, Supervisor, Bibliodramaleiter und hat eine Ausbildung in Gesprächszentrierter Psychotherapie. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter überrascht er mit der Frage, ob sie Wünsche und Erwartungen an ihn als Geistlichen Leiter haben. Eine behutsame, aufmerksame Annäherung, bei der er auslotet, wie er als Mensch und in seiner Funktion in Haus Ohrbeck gebraucht wird und wirksam sein kann. Br. Andreas ist auf der Suche nach seinem neuen Platz.