Warum 50 Meter manchmal ein ganz schön weiter Weg sind – Kita-Kinder beim Übergang in die Schule

Wer im Osnabrücker Stadtteil Schinkel wohnt, dem ist dieses Bild vertraut: Regelmäßig machen sich Kinder der katholischen Kita St. Maria Rosenkranz und der evangelischen Kita Jakobus auf den Weg – ihr Ziel: die Diesterweg-Ganztagsgrundschule. Auch wenn die Kita, wie St. Maria Rosenkranz, räumlich kaum fünfzig Meter von der Grundschule entfernt liegt, kann das für Kinder, die von der Kita in die Grundschule wechseln, ein weiter Weg sein: Eine neue Umgebung, neue Gesichter, Schulhof statt Matschkuhle, sitzen statt toben – das alles muss verkraftet werden. Für viele Kinder stellt sich dieser Wechsel als plötzlicher und anstrengender Sprung von einer Seite auf die andere dar. Was kann helfen? Ganz klar: Eine Brücke zwischen Kita und Schule, die es den Kindern ermöglicht, spielerisch hin und her zu pendeln, die neue Umgebung zu erkunden und anschließend wieder ins Vertraute zurückzukehren.

Der Regenbogenclub
Architektinnen dieser Brücke sind die Leiterinnen der beteiligten Kitas, Rita Sander und Sandra Unland, sowie Stefanie Kohlmeyer, Leiterin der Grundschule, und weitere Kolleginnen aus allen Häusern. Ein Mal in der Woche gehen die Kinder des letzten Kitajahres mit ihren Erzieherinnen in die Grundschule, schnuppern schon mal Schulluft und schauen, wie es denn »da drüben« eigentlich ist. Die Kinder lernen viele Räume der Schule kennen, besorgen Kleinigkeiten wie Kreide oder Stifte aus dem Sekretariat und laufen vielleicht auch schon mal dem Hausmeister oder der Köchin der Schulküche über den Weg. Wenn sie dann in die Grundschule wechseln, sind sie in einer bereits vertrauten Umgebung, in der sie sich gut orientieren können: Sie wissen, wo es zum Pausenhof geht, wie sie die Spiel- und Freizeiträume finden und wo es Mittagessen gibt. Viele Gesichter in der neuen Schule kennen sie schon, in ihrem Klassenraum haben sie vermutlich schon einmal gesessen und auch die Flure, über die sie laufen, sehen sie nicht zum ersten Mal. »Regenbogenclub« haben die Kinder selbst diese Aktion genannt und die Idee der Brücke damit in ein eigenes Bild übersetzt: Den Regenbogen, der eine Verbindung zu einem entfernten Ort spannt.  

Außerirdische Unterstützung
Und da gibt es noch etwas, was die beiden Kitas und die Grundschule verbindet: Lubo aus dem All, eine Handpuppe, die den Kindern in der Kita hilft, ihre eigenen Gefühle wahrzunehmen und zu benennen: In mir rumort es, aber was genau ist das: Bin ich wütend? – oder enttäuscht? – oder traurig? – oder… ? Welches ist das Wort, das die eigenen Gefühle am besten ausdrückt? Lubo fördert damit nicht nur die sozial-emotionale Kompetenz der Kinder, sondern auch ihre Ausdrucksfähigkeit und damit die Sprachbildung der Kinder. Wenn Lubo am Ende der Kitazeit zurück ins Weltall muss, nehmen die Kinder von dieser Handpuppe nur ganz schweren Herzens Abschied. Was sie dann noch nicht ahnen: Lubo wird mit seinem Raumschiff in ihrer Grundschule landen und sie noch ein Stückchen weiter begleiten.   

Ziel der beiden Kitas und der Diesterweg-Grundschule ist es, diese gelungene Zusammenarbeit in einem Kooperationsvertrag festzuhalten, der die Fortführung ihrer Initiativen sicherstellt. Beide Projekte wurden von April bis November 2015 im Rahmen der Qualifizierungsinitiative »Sprachbildung im Übergang« des Niedersächsischen Instituts für frühkindliche Bildung und Erziehung (nifbe) durchgeführt, die Kindern im Bereich der Sprache den Weg von der Kita in die Schule erleichtert. Haus Ohrbeck wirkt bei dieser Qualifizierungsinitiative des nifbe mit: Franziska Birke-Bugiel, Referentin für die Bereiche Kitas und Schulen, hat beide Projekte als nifbe-Multiplikatorin beraten und ihre Umsetzung begleitet.