Välkommen! Tervetuola! Velkomid! Velkommen! – 28 Skandinavier zu Gast in Haus Ohrbeck

Kopenhagen, Reykjavik, Tromsö, Helsinki – wenn diese Städtenamen gehäuft in einer Teilnehmerliste auftauchen, ist klar: Die »Nordischen« sind da! Was hausintern liebevoll »die Nordischen« genannt wird, heißt offiziell »Theologische Studientagung für Priester, Ordensleute und Laien aus den nordischen Bistümern und Prälaturen«. Jedes Jahr im Frühsommer reisen aus Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden Teilnehmerinnen und Teilnehmer an, um sich über neue wissenschaftliche Erkenntnisse der Theologie zu informieren und sich über aktuelle kirchliche Entwicklungen und Fragen auszutauschen.

Wer allerdings skandinavisches Sprachgewirr erwartet, der wundert sich: Die Tagungssprache ist Deutsch, zwei Teilnehmerinnen aus Schweden erkundigen sich ebenfalls in fließendem Deutsch nach den Abfahrtszeiten der Busse, und auch alle anderen Teilnehmer sprechen Deutsch – wieso nur? Und wieso machen seit inzwischen 45 Jahren jedes Jahr wieder Teilnehmer aus Skandinavien die weite Reise nach Deutschland?

Die Geschichte der »Nordischen«
Die Entwicklung der katholischen Kirche in den nordischen Ländern war und ist ein starkes Anliegen der katholischen Kirche in Deutschland. Dafür wurden ab 1925 in Deutschland die St.-Ansgar-Werke gegründet, deren Hauptaufgaben in der finanziellen und ideellen Hilfe für die katholische Kirche in den nordischen Ländern – das sind Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden – besteht. Anders als in Deutschland beziehen die katholischen Kirchengemeinden in Skandinavien keine Einnahmen aus Kirchensteuern, da sie dort nicht als staatliche Kirche anerkannt sind. 1965 wurde das St.-Ansgar-Werk im Bistum Osnabrück eingerichtet, dem sich 1995 das Bistum Hamburg anschloss. Für die Bistümer Osnabrück und Hamburg ist der enge Kontakt zu den skandinavischen Ländern nicht zuletzt durch die unmittelbare geografische Nähe ein besonderes Anliegen. Das Ansgar-Werk unterstützt Patenschaften zwischen den Pfarrgemeinden und bietet theologische Fortbildungen für Geistliche, Ordensleute und Laien aus dem Norden an – unter anderem die jährliche Theologische Studientagung, die seit 1968 besteht und seit 1973 in Haus Ohrbeck stattfindet. Im Zuge dieser inzwischen über Jahrzehnte gewachsenen Vernetzung haben viele der Teilnehmenden beispielsweise in Deutschland Theologie studiert oder sind umgekehrt als deutsche Muttersprachler nach Skandinavien ausgewandert, um dort in der katholischen Kirche tätig zu sein.  

Thema der diesjährigen Studientagung:
Friedensvision – Friedensfähigkeit – Friedenskraft – Friedenspflicht

Im Mittelpunkt der diesjährigen Studientagung vom 26. Juni bis 3. Juli stand das Thema »Suche Frieden und jage ihm nach!«. Die 28 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben sich mit dem Thema Frieden in einem weit gespannten Bogen befasst: Von der Bergpredigt über die Friedensvision und -mission des hl. Franziskus bis zur aktuellen Friedensarbeit der Gemeinschaft Sant'Egidio, deren diesjähriges internationales Friedenstreffen vom 10. bis 12. September in Münster und Osnabrück stattfindet. Bei einer Begegnung mit dem Osnabrücker Bischof Dr. Franz-Josef Bode und einer Exkursion auf den Spuren des Westfälischen Friedens in die historischen Friedensstädte Münster und Osnabrück haben die Teilnehmer ihre Eindrücke vertieft. Ein wichtiges Anliegen jeder Studientagung ist es, dass die neu gewonnenen Erkenntnisse anschließend in die praktische Arbeit der Teilnehmenden einfließen. Die Ergebnisse von Referaten, Vorträgen und gemeinsamer Diskussion münden daher immer in der Frage, was sie für die konkrete Arbeit jeder Einzelnen und jedes Einzelnen bedeuten können. 

Adjö! Farvel! Näkemiin! Bless! Ha det!
Am Morgen des 3. Juli haben sich alle »Nordischen« wieder auf den Rückweg gemacht – von unserer Küche gut ausgestattet mit Lunchpaketen für die oftmals lange Reise. Für jetzt bleibt uns zu sagen: Adjö! Farvel! Näkemiin! Bless! Ha det! Auf Wiedersehen im nächsten Jahr!