Unser Programm für den Sommer 2019

Erst kurz vor der Eingangstür von Haus Ohrbeck fällt sie ins Auge: Eine kleine Kapelle, blassgelb, von Kastanien und Buchen überragt – Maria Waldrast. Die Bildserie unseres neuen Sommer-Programms porträtiert diesen besonderen Ort:

IM PORTRÄT: MARIA WALDRAST
Eher unscheinbar, klein und immer etwas düster – das ist die Kapelle Maria Waldrast, und ausgerechnet diesem Ort vertrauen Menschen sich an: Täglich und alltäglich wird die Kapelle besucht, die bis auf wenige Stunden in der Nacht immer zugänglich ist. Das ganze Jahr über flackern hier Kerzen und Teelichter, die Blumen sind immer frisch, und der blank abgegriffene Türgriff erzählt von den zahllosen Händen, durch die er in fast neun Jahrzehnten gegangen ist.

Maria Waldrast entsteht 1932 in Zusammenarbeit der Einwohner von Holzhausen und der Franziskaner, die seit 1918 im Ort leben. Der Bau der Kapelle erweist sich in einer durch Arbeitslosigkeit und Wirtschaftskrise angespannten Zeit als außergewöhnlich gemeinschaftsstiftend: Lehrer aus dem Ort haben die Idee, eine dem Franziskanerkloster angegliederte Kapelle zu bauen. Zusammen mit den Franziskanern begeistern sie die Einwohnerschaft für dieses Vorhaben. Im Mai 1932 schlagen arbeitslose junge Holzhauser im nahegelegenen Steinbruch die ersten Steine und errichten in kaum zwei Wochen den Rohbau der Kapelle. Handwerker aus dem Ort kommen nach getaner Arbeit zur Baustelle, helfen und stellen die Umsetzung der Pläne des Architekten sicher. Alle arbeiten unentgeltlich oder für geringsten Lohn. Franziskaner fertigen die Schmiedearbeiten, Franziskanerinnen sorgen für die Mahlzeiten. Schulklassen kommen vorbei, sehen zu und erleben, wie die Kapelle entsteht. Spenden ermöglichen Baumaterial, Türen, Fenster...

Nach nur sechs Monaten wird Maria Waldrast im Oktober 1932 eingeweiht. Die ins Fundament eingelassene Stiftungsurkunde trägt die Unterschrift des Architekten, eines Lehrers, eines örtlichen Handwerkers, des Oberen des Franziskanerkonvents, der Schwester Oberin und des Direktors des franziskanischen Exerzitienhauses, aus dem vierzig Jahre später Haus Ohrbeck wird.

Vielleicht liegen in dieser Entstehungsgeschichte die Wurzeln der bis heute andauernden Verbundenheit: Täglich kommen Menschen in die Kapelle, manche zünden Kerze oder Teelicht an. Was sie dort suchen, was sie dort finden, ist vermutlich unterschiedlich, aber wohl alle vertrauen dieser einfachen, kleinen Kapelle etwas sehr Persönliches an: eine Sorge, eine Bitte, eine Furcht, einen Dank.

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