Neue Ausstellung: »Begegnungen« – Fotografien von Volker Sander

Wenn Sie hier zwei rostige Nägel sehen, ist das sicherlich nicht falsch. Wenn Sie dieses Foto allerdings mit den Augen von Volker Sander betrachten, dann sehen Sie hier: Zu-Neigung. Weitere überraschende Begegnungen zeigt seine Ausstellung.

Begegnungen bestimmen unser tägliches Leben: Für die meisten beginnt es mit der Familie am morgendlichen Frühstückstisch und setzt sich fort am Arbeitsplatz mit Kollegen, beim Sport, beim Treffen mit Freunden am Abend. Hinzu kommen die vielen eher flüchtigen Begegnungen mit Menschen, die uns auf der Straße entgegenkommen, denen wir im Bus oder im Wartezimmer beim Arzt gegenübersitzen oder mit denen wir an der Ampel einen kurzen Blick tauschen.  

Volker Sanders Motive machen schnell deutlich, dass er unter »Begegnung« jede Art von Zusammentreffen, von Kontakt versteht, egal, ob flüchtig oder intensiv, ob angenehm oder unangenehm. Diese unterschiedlichen Qualitäten von Begegnung übersetzt Sander in überraschende Motive und Bildsprache:

Begegnung kann – zwei Butterblümchen machen es vor – Halt geben. Begegnung kann aber auch bedeuten: Standzuhalten in einer schwierigen Konstellation und seinen Platz gegen Widerstände zu behaupten wie der Baum im Angesicht der buchstäblich haushoch überlegenen Hochhäuser. Und wenn zwei aneinander geraten und es einen Zusammenprall gibt, kann auch das eine Begegnung (und das »Ende einer Dienstfahrt«!) ergeben. Der ganze Charme und die Leichtigkeit einer spielerisch-flatterhaften Begegnung ist in den Turtel-Tauben eingefangen – aber wer sind denn hier eigentlich die Turtel-Tauben: Nur die Tauben oder liegt nicht auch zwischen den Tauben und der jungen Frau ein kleiner Flirt in der Luft? Und auch für zwei, die schon in die Jahre gekommen und vom Leben etwas verbogen sind wie die rostigen Nägel, ist es für eine Begegnung nicht zu spät.
   
Hintergründig auch das Motiv Zweisamkeit: Ein Tisch und zwei Stühle an mediterraner Küste bei Abendstimmung – auf den ersten Blick verführt dieses Motiv zu einigen romantischen Annahmen und wohligen Gefühlen. Dann allerdings kann man etwas entdecken, was Fragen aufwirft und nachdenklich macht: Bei genauem Hinsehen zeigt sich, dass die Stühle an den Beinen mit Schnüren aneinander festgemacht sind. Tja, was ist Zweisamkeit denn nun: angenehme Bindung oder einengende Fessel?  

Rätsel gibt ein titelloses Motiv auf, das nicht recht zu den anderen Motiven zu passen scheint, bei denen die Begegnung im Bild selbst stattfindet. Anders hier: Ein Mann mit zerfurchtem Gesicht ist zu sehen – ohne klar erkennbares Gegenüber. Ruhig, sehr direkt und etwas fragend ist sein Blick und unwillkürlich möchte man wissen, wer der Mann wohl ist und welches Leben diese Spuren in sein Gesicht gegraben haben mag. Die Begegnung – vielleicht findet sie hier zwischen Motiv und Betrachter statt?

Mehr zu Volker Sander: www.vollerfotos.de

Haus Ohrbeck zeigt die Arbeiten von Volker Sander bis zum 14. November 2016.