»Mit anderen Augen«: Naturfotografien und -zeichnungen von Florentine Moser

»Mein Name ist Florentine, ich bin 17 Jahre alt«, so beginnt das kleine Porträt, das die Ausstellung »Mit anderen Augen« begleitet. 17 Jahre – das erwartet wohl niemand, der die Arbeiten von Florentine Moser betrachtet: Mit feiner Beobachtung zeigt sie Details und Strukturen von Pflanzen, Schmetterlingen und Käfern und eröffnet dem Betrachter so einen ungewöhnlichen Blick in die Natur.

Florentine ist fasziniert von der Natur und ihren Strukturen. »Ich versuche, die Natur mit anderen Augen zu sehen«, sagt sie und erklärt es genauer: »Wenn ich einen Busch sehe, dann sehe ich nicht so sehr den ganzen Busch, sondern die Einzelheiten, die Besonderheiten. Das ist es, was mich interessiert.« Und sie schaut sehr genau hin, ohne dabei technisch oder dokumentarisch zu werden: In einem einzigen prägnanten Detail gelingt es ihr beispielsweise, die satte, rote Üppigkeit eines vollreifen Granatapfels geradezu greifbar zu machen. In einer anderen Aufnahme entpuppen sich hauchzarte, rote, fedrig übereinander liegende Lagen als Blütenblätter einer Ranunkel – und man fragt sich, ob man selbst eine Ranunkel eigentlich schon je wirklich angesehen hat? Wie eine Aquarellarbeit kommt einem das Innere einer Veilchenblüte entgegen – und man kann über das »Wissen« der Natur um die unwiderstehlich anziehende Wirkung von Farbkontrasten nur staunen.

Florentines Interesse am Detail und ihre feine Beobachtungsgabe zeigen sich auch in ihren Zeichnungen von Schmetterlingen (ursprünglich übrigens eine »Auftragsarbeit« für die neu eröffnete Beratungspraxis ihrer Mutter!) und Käfern. Auch hier arbeitet sie Strukturen und Feinheiten von Flügeln, Leib, Fühlern und Beinchen heraus, ermöglicht dem Betrachter durch die Art der Präsentation ihrer Arbeiten jedoch eine zusätzliche Erfahrung: Sie kombiniert jeweils drei auf den ersten Blick sehr ähnlich wirkende Schmetterlinge und Käfer und lädt den Betrachter so unmerklich zu einem Vergleich ein, der ihm – bei aller Ähnlichkeit auf den ersten, schnellen Blick – die unerschöpfliche Variationsvielfalt der Natur buchstäblich vor Augen führt.

Florentine Moser lebt bei Villingen-Schwenningen im Schwarzwald und malt, zeichnet und fotografiert seit ihrer Kindheit. 2014 hat sie in zwei Fotowettbewerben erste Plätze belegt. »Mit anderen Augen« ist ihre erste Ausstellung – und die hat sie bis ins kleinste Detail geplant: Welche Arbeiten sollen nebeneinander hängen? Welche Motive erzeugen mit ihrer Farbigkeit eine gute Spannung? Florentine, die am Technischen Gymnasium in Villingen-Schwenningen den Schwerpunkt »Gestaltungs- und Medientechnik« gewählt hat, überlegt, nach dem Abitur ein Studium im Bereich Design und Gestaltung anzuschließen, um später kreativ und künstlerisch zu arbeiten. Wer ihre Arbeiten sieht, kann sich das sofort vorstellen!

Haus Ohrbeck zeigt die Arbeiten von Florentine Moser bis zum 10.01.2020 (Mo bis Fr 9-18 Uhr, Sa 9-12 Uhr).

Kontakt zu Florentine Moser

E-Mail: florentinesart @gmx.de
instagram: @florentinesart