Kurz vorgestellt: Maike Philipp und Fabiola Weber, Freiwilligendienstlerinnen

»Mal richtiges Leben« kennenlernen – dieser Wunsch hat Maike Philipp und Fabiola Weber an die Rezeption von Haus Ohrbeck geführt. »Richtiges Leben« – ja davon gibt es in Haus Ohrbeck, gerade an der Rezeption, natürlich genug! Da kommen nicht nur fast alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter regelmäßig vorbei, sondern täglich reisen neue Gäste an, übers Telefon melden sich Teilnehmer für Seminare an und die Kolleginnen und Kollegen haben ebenfalls Anliegen und Wünsche, die Maike und Fabiola erledigen.

Eine Art »praktische Psychologie«
Wäre es nach Maike Philipps ursprünglichem Plan gegangen, dann wäre sie jetzt in Hildesheim und würde Psychologie studieren. Wäre und würde – alles ist anders gekommen: Ihr Studienplatz schien so sicher und ein Plan B daher so unnötig, dass Maike im August ganz entspannt in Urlaub gefahren ist, wo sie völlig überraschend die Absage erreicht. Ja, was tun? Die Idee, zumindest vorübergehend ein anderes Studium zu beginnen, hat Maike schnell verworfen, denn für sie ist klar: Psychologie ist es. Die zündende Idee hat schließlich ihre Mutter Annette Philipp, die in den 80er Jahren in Haus Ohrbeck in der Verwaltung gearbeitet und das Haus mit Maikes Geburt verlassen hat: Warum die unfreiwillige Auszeit nicht mit einem Bundesfreiwilligendienst dafür nutzen, um schon mal einen Einblick ins »richtige Leben« zu bekommen? Nebenbei bemerkt: Den Sprung ins »richtige Leben«, so würde man allerdings denken, hat Maike schon vor vier Jahren gemacht: Als Fünfzehnjährige hatte sie ihren Lebens- und Schulort für ein Jahr vom westfälischen Steinbeck an die Ostküste der USA, in die Nähe von Philadelphia, verlegt.

Nach einem knappen Vierteljahr in Haus Ohrbeck zieht Maike eine positive Zwischenbilanz: »Ich finde es spannend, dass ich hier so viele unterschiedliche Menschen kennenlernen kann und erlebe, wie sie so ›ticken‹.« Und tatsächlich: Mehr Begegnungen mit so vielen und so unterschiedlichen Menschen als an der Rezeption von Haus Ohrbeck kann man vermutlich kaum haben: Täglich reisen neue Seminarteilnehmer an, zum Beispiel Mütter mit ihren Kindern, Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr, Auszubildende von Berufsbildenden Schulen, Pfarrsekretärinnen – an unserer Rezeption kommt quasi das ganze Leben vorbei. »Ich betrachte das«, stellt Maike trocken fest, »einfach schon mal als eine Art ›praktische Psychologie‹.« Wir finden: Ein kreativer Umgang mit ungeplanten Veränderungen!  

Alle Fäden fest in der Hand

Fabiola Weber hat direkt nach ihrem Realschulabschluss das Fachabitur angeschlossen, was an sich noch nicht ungewöhnlich ist, aber: Es ist das Fachabitur Bekleidungstechnik – das hatten wir bei unseren Freiwilligendienstlern noch nie! Die letzten drei Jahre ist Fabiola mit dem Zug 45 Kilometer je Weg nach Halle/Westfalen gependelt, um dort die Berufsfachschule für Bekleidungstechnik zu besuchen. Wer bereit ist, so weite Wege auf sich zu nehmen, muss eine besondere persönliche Motivation haben. Wie kommt es denn, dass Fabiola sich für ein Fachabitur in Bekleidungstechnik entschieden hat? Und warum hat sie danach für ihr Freiwilliges Soziales Jahr ein Bildungshaus gewählt – außer den ausgefransten Nähten von Tisch- und Wolldecken wird hier im Haus rein gar nichts genäht!

Nähen – das hat Fabiola schon als Dreizehnjährige interessiert, »aber nicht so Täschchen und Beutelchen und so, sondern richtige Kleidungsstücke.« Mit ihrem Interesse für Nadel, Faden und Stoffe lag es nahe, ein Fachabitur mit genau diesem Schwerpunkt zu wählen. Und? Ist die Entscheidung richtig gewesen? »Ja, genau richtig!«, sagt Fabiola ohne Zögern, denn sie hat von der Pike auf gelernt, wie sie einen eigenen Entwurf macht, das entsprechende Schnittmuster anfertigt und auf Stoff überträgt, um dann am Ende ihr selbst entworfenes und selbst genähtes Kleidungsstück in Händen zu halten.

Nach so viel Schule einfach »mal richtiges Leben kennenlernen« – dieser Wunsch hat auch Fabiola Weber an die Rezeption von Haus Ohrbeck geführt. »Was mir gefällt ist, dass ich abends sehe, was ich geschafft habe. Außerdem finde ich, dass ich hier was für mein späteres Berufsleben lernen kann.« Wie es beruflich weitergeht, das braucht noch ein wenig Bedenkzeit – vielleicht ja genau das Jahr, das ihr das FSJ in Haus Ohrbeck gibt. Der rote Faden ist klar: Nähen und Mode. Was steht denn zur Wahl? Fabiola möchte sich bis zum nächsten August entscheiden, ob sie Modemanagement studiert oder an der »Schule für Modemacher« in Münster den Ausbildungsgang Produktmanagement für Modedesign und Bekleidung absolviert.

Was Fabiola an Haus Ohrbeck übrigens auch gefällt, und wer könnte es ihr verdenken: Der mit zehn Fahrradminuten endlich mal wirklich kurze Nachhauseweg…