Kurz vorgestellt: Jule Goer und Marvin Reimann, Freiwilligendienstler*in

Eine Pause zwischen Schule und Berufsweg – dieser Wunsch hat Jule Goer und Marvin Reimann an die Rezeption von Haus Ohrbeck geführt. »Pause« – davon gibt es in Haus Ohrbeck, gerade an der Rezeption, ehrlich gesagt nicht allzu viel! Da kommen nicht nur fast alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter regelmäßig vorbei, sondern täglich reisen neue Gäste an, übers Telefon melden sich Teilnehmer*innen für Seminare an und die Kolleginnen und Kollegen haben ebenfalls Anliegen und Wünsche, die Jule und Marvin erledigen.

Mal Ordnung ins Chaos bringen – zumindest ein bisschen…
Um einen Eindruck von Jule Goers Energie und Tatendrang zu bekommen, müsste man dieses Kurzporträt mit zwanzig Fingern schreiben und mit sechs Augen lesen können – und dann am besten noch alles gleichzeitig. Leider bleibt nichts anderes übrig, als der Reihe nach zu erzählen und zu lesen…

Wenn Jule Goer, 18 Jahre, von all den Dingen spricht, für die sie in ihrem Leben Raum und Zeit findet, fragt man sich irgendwann insgeheim, ob sie eigentlich auch zur Schule gegangen ist (ja, ist sie!) und ob ihr Tag wohl mehr Stunden hat als der eigene: Sport, Kunst, Musik – alles ist dabei. Wo anfangen? Fast zehn Jahre hat Jule intensiv Leichtathletik gemacht, zuletzt auf Leistungssportniveau: 2018 läuft sie in der 4x200m-Staffel der Deutschen Meisterschaften mit. Was ihr besonders gefallen hat? »Der Moment an der Startlinie, das Adrenalin, kurz bevor es losgeht!« Zur Zeit überlegt sie, ob sie vielleicht das Boxen anfängt. Und bevor wir es vergessen: Handball hat sie auch gespielt. Damit aber nicht genug: Jule fotografiert, sie malt und zeichnet, sie interessiert sich fürs Schauspielen. »Zehn Jahre hab ich übrigens Cello gespielt«, wirft sie zwischendurch ein, und man hat das Gefühl, wenn sie weiter nachdenken würde, fiele ihr noch viel, viel mehr ein...

Nach dem Ende der Schulzeit im Sommer 2019 hat sie jetzt das Gefühl, mal so etwas wie eine Pause zu brauchen, nicht zuletzt vom Leistungsdruck der Schule. »Ich hab mir gedacht, ich bringe Ordnung in mein Chaos und sortiere mein Leben – zumindest ein bisschen...« Und nach dem FSJ? Reisen! Hat sie auch schon eine Meinung zum Thema Beruf? Wir ahnen es: Jule hat Lust auf Vieles und kann sich in den Bereichen Kunst, Musik, Sport alles Mögliche vorstellen. Einen konkreten Berufswunsch hat sie also (noch) nicht, aber eine eindeutige Haltung: »Das Wichtigste ist, finde ich, dass man jeden Tag Lust hat auf das, was man arbeitet.« Mit dieser Haltung als Kompass wird sich schon zeigen, was das beruflich ergibt!

Sicher ist sicher...
Marvin Reimann, 19 Jahre, hat wohl einen der kürzesten Arbeitswege aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: Er lebt in Holzhausen buchstäblich um die Ecke von Haus Ohrbeck. Bis zum Beginn seines Bundesfreiwilligendienstes im September 2019 geht es ihm wie vielen Holzhausern: Haus Ohrbeck ist ihm durchaus ein Begriff, aber was genau es damit auf sich hat, hat er nicht gewusst. Das ändert sich nun!

Marvins Vorstellung, in welche Richtung es für ihn beruflich gehen soll, ist ungewöhnlich klar – und zwar schon seit einigen Jahren: Nach der 10. Klasse beschließt er, für sein Fachabitur vom Gymnasium Oesede an die Berufsbildenden Schulen am Schölerberg nach Osnabrück zu wechseln. Der Grund: Hier kann er sein Fachabitur mit dem Schwerpunkt Verwaltung machen. Erste praktische Erfahrungen, wie sein Berufsbild aussehen könnte, macht er während eines sechsmonatigen schulbegleitenden Praktikums in einer Krankenkasse. Auch um die weiteren Schritte kümmert er sich genauso konsequent und zielstrebig: Nach seinem Fachabitur im Sommer 2019 plant Marvin – sicher ist sicher! – gleich zweigleisig weiter. Er bewirbt sich einerseits um einen Ausbildungsplatz und andererseits um einen Studienplatz in den Bachelorstudiengängen »Öffentliche Verwaltung« und »Öffentliches Management« an der Universität Osnabrück – und bekommt, um es kurz zu machen, überall Zusagen.

Eine beneidenswerte Situation, sollte man meinen, aber was tun, wenn der Zeitpunkt sich irgendwie einfach noch nicht »richtig« anfühlt? Auch Marvin hat das Gefühl, dass ihm eine Pause zwischen Schule und Beruf oder weiterer Ausbildung gut tun würde. »Ich wollte mal was ganz anderes machen«, sagt er, »und vor allem nicht sofort schon wieder lernen.« Den Ausbildungsplatz hat Marvin abgesagt. Für die beiden Studiengänge hat er sich zurückstellen lassen, so dass er nach dem Bundesfreiwilligendienst im kommenden Sommer sofort ins Studium einsteigen kann. Bis dahin ist er jetzt bei uns – und »lernt« (auch, wenn es sich vielleicht nicht wie lernen anfühlt!) natürlich auch hier weiter, denn vor allem durch seine Mitarbeit an der Rezeption sammelt er weitere Erfahrungen im Bereich Verwaltung und Organisation.