Haus Ohrbeck unterzeichnet nifbe-Brief gegen Änderungspläne der Landesregierung

Ein wichtiger Kooperationspartner von Haus Ohrbeck, das Niedersächsische Institut für frühkindliche Bildung (nifbe), steht nach den derzeitigen Plänen der niedersächsischen Landesregierung ab 2016 vor gravierenden Einschnitten, die dem nifbe eine Fortsetzung seiner bisherigen Arbeit unmöglich machen würden. Haus Ohrbeck bekräftigt mit der Unterzeichnung des nifbe-UnterstützerInnen-Briefes die Aufforderung an die Landesregierung, diese Pläne nochmals zu überdenken.

Warum ist das nifbe – auch für die Bildungsarbeit von Haus Ohrbeck im Bereich Kita und Schule – so wichtig?
Das nifbe sorgt dafür, dass neueste wissenschaftliche Forschungsergebnisse zur frühkindlichen Bildung nicht zwischen Aktendeckeln landen, sondern möglichst umgehend an Erzieherinnen, Erzieher und Schullehrkräfte vermittelt werden, um so zum Nutzen der Kinder auch wirklich in die alltägliche Arbeitspraxis von Kita und Schule zu gelangen. Eine der wichtigsten Funktionen des nifbe ist es also, Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftler und pädagogische Fachkräfte vor Ort zu vernetzen. Das leisten insbesondere die Regionalnetzwerke, die – und das ist wichtig! – auch bis in den ländlichen Raum hinein reichen, damit beispielsweise eine Kita oder Grundschule in Wellingholzhausen genau so schnell und im selben Maße von neuem Wissen profitieren können wie Kitas und Schulen in Osnabrück oder Hannover. Ausgerechnet diese Regionalnetzwerke sind von den Änderungsplänen der Landesregierung mit am stärksten betroffen: Sie sollen aufgelöst werden, was, so nifbe-Direktorin Prof. Dr. Renate Zimmer, eine »Zerschlagung der Grundidee des nifbe« zur Folge haben werde.

Grundidee des nifbe: Neues Wissen auf kürzestem Weg in die tägliche Praxis umsetzen
Haus Ohrbeck und das nifbe verbindet eine langjährige, für beide Seiten produktive Zusammenarbeit, in deren Mittelpunkt genau diese Grundidee steht: Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse in Aus- und Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte praxistauglich zu vermitteln, um sie so in die Alltagspraxis von Kitas und Schulen zu bringen. Ein Beispiel: Für das Projekt »selbst sicher lernen« haben Haus Ohrbeck und das nifbe alle Beteiligten an einen Tisch geholt – Erzieherinnen, Erzieher, Schullehrkräfte, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Mitarbeitende in der Erwachsenenbildung. Gemeinsam haben sie sich mit der Frage befasst, wie Kinder gerade in ihren ersten Lebensjahren das Lernen so »lernen« können, dass sie ein selbstbestimmtes Lernvermögen entwickeln. Die Ergebnisse dieser Projektarbeit fließen seitdem in die Fort- und Weiterbildungen von Haus Ohrbeck für Erzieherinnen, Erzieher und Lehrkräfte ein – und gelangen so auf kürzestem Weg in die konkrete alltägliche Arbeit mit den Kindern.  

Haus Ohrbeck unterzeichnet UnterstützerInnen-Brief
Haus Ohrbeck setzt sich mit der Unterzeichnung des UnterstützerInnen-Briefes dafür ein, dass diese innovative Grundidee des nifbe mit ihrer engen Verbindung von Forschung, Vernetzung und Transfer erhalten bleibt. Der Brief wird im Vorfeld einer Anhörung des nifbe am 6. Juli 2015 im Ausschuss für Wissenschaft und Kultur an die Ministerin Heinen-Kljajić übergeben.    

Statement von Haus Ohrbeck
Nachdruck verleiht dieser Unterzeichnung ein persönliches Statement an die Ministerin von Franziska Birke-Bugiel, Bildungsreferentin in Haus Ohrbeck:  

In den vergangenen Jahren haben wir in Haus Ohrbeck als Erwachsenenbildungsträger sowohl mit den nifbe-Forschungsstellen als auch mit dem nifbe-Regionalnetzwerk SüdWest intensiv und gerne zusammengearbeitet. Die aktuelle Kooperation im Bildungsschwerpunkt II »Die Arbeit mit Kindern unter drei...« ist ein Erfolgskonzept. Das intensive Arbeiten mit den Kita- und Krippenteams an den konkreten Bedarfen der Teams erweist sich als nachhaltig und sinnvoll. Dieses Engagement nun zu beenden, ist unüberlegt. Wichtig scheint mir persönlich, dass Sie als Verantwortliche in der Politik verstehen, dass es mit Auflösung der Netzwerke für eine Erzieherin in Dorfstrukturen und abseits der größeren Zentren schwieriger werden wird, schnell wissenschaftsbasiertes Wissen zu erwerben, das sie in ihrer Alltagskompetenz stärkt. Denn die Verfügungs- und Fortbildungszeiten und Budgets sind begrenzt. Darüber hinaus glaube ich, dass der Impuls zu Inhousefortbildungen mit kooperativen Fortbildungsträgern in der jetzigen Entwicklung des elementarpädagogischen Feldes sehr zur lokalen Qualitätsentwicklung im Bereich der Bildung und Betreuung beiträgt. Wir rufen daher dringend dazu auf, das bundesweit anerkannte nifbe zu erhalten, um in Niedersachsen qualitätsvolle Bildung und Betreuung weiter zu stärken.  

Franziska Birke-Bugiel, Bildungsreferentin in Haus Ohrbeck