Detail und Ganzes: Unser Programm im Sommer 2020

Wir haben immer mehr vor Augen, als wir tatsächlich sehen und wahrnehmen können. Nichtsdestotrotz haben wir das Bedürfnis, uns ein Bild, eine Vorstellung zu machen: von unserer Welt, von uns selbst, vom anderen. Wie nähern wir uns also dem, was in seiner Gesamtheit unmöglich zu erfassen ist? Wie nähern wir uns der Welt, die immer als Ganzes existiert? Wie nähern wir uns einem Menschen, der immer mehr ist, als wir verstehen und begreifen können? Uns bleibt nichts anderes übrig, als uns für Ausschnitte und Details zu entscheiden.

Detail und Ganzes
Manchmal sehen wir die Einzelheiten als erstes und entwickeln nach und nach eine Vorstellung vom Ganzen. Manchmal nehmen wir zuerst die Form, die Kontur des Ganzen wahr und wenden uns dann den Einzelheiten zu. Unsere Wahrnehmung pendelt dabei unermüdlich zwischen Detail und Ganzem hin und her. Sobald wir etwas im Detail betrachten, sehen wir einen begrenzten Bereich, einen oftmals sogar sehr kleinen Bereich, ganz scharf. Zu den Seiten hin nehmen wir schon noch das eine oder andere wahr, aber die restliche Umgebung wird zum unscharfen Hintergrund. Im Detail findet unser Auge einen Ruhepunkt – für einen Moment zumindest, denn der Ausschnitt wird wiederum zum Ganzen und die Pendelbewegung beginnt aufs Neue. Unser Pendeln zwischen dem Detail und dem Ganzen ist eine fortwährende Suchbewegung und eine offen bleibende Annäherung an die Welt, an das Leben, an einen anderen Menschen.

Im Detail
Details, meint einer, seien keine Kleinigkeiten, sondern das, was das Ganze erst ausmacht, und wer sich am Ganzen freuen wolle, sagt ein anderer, müsse das Ganze im Kleinsten erblicken. Wer sich jedoch zu viel mit Kleinigkeiten befasse, warnt ein anderer, werde unfähig zum Großen, und allzu große Liebe zum Detail, findet ein anderer, sei kein Zeichen von Gewissenhaftigkeit, sondern von geistiger Armut. Und während einer sicher ist, es sei der Zauber, der im Detail steckt, hat ein Sprichwort ausgerechnet das Detail als den Ort ausgemacht, wo am zuverlässigsten der Teufel anzutreffen ist.
Zitate: Charles Eames, Johann Wolfgang von Goethe, François de La Rochefoucauld, Anselm Feuerbach, Theodor Fontane

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