Alles Gute, Martina!

Selbst Menschen, die ihren Namen nicht ganz genau kennen, wissen sofort, um wen es sich handelt: »Ist das die Frau, die immer so freundlich ist?« wird gefragt, wenn man sagt: Martina Niermann ist in Rente gegangen. 30 Jahre lang hat Martina Niermann in Haus Ohrbeck in der Hauswirtschaft gearbeitet – am Sonntag, 30. Juni, war ihr letzter Arbeitstag. Über das Angebot, doch vielleicht schon am Freitag ihren Dienst zu beenden, war mit ihr gar nicht zu verhandeln: Es wurde mit einer fröhlichen Handbewegung beiseite gewischt: »Ich arbeite bis zum letzten Tag!« Martina Niermann hat es wirklich nicht eilig gehabt, Haus Ohrbeck zu verlassen.

Als die Röcke noch wadenlang waren
Martina Niemann ist eine der wenigen Mitarbeitenden in Haus Ohrbeck, die den Wandel des Hauses im Laufe der vergangenen dreißig Jahre miterlebt hat. Alles fängt für sie im Sommer 1988 an: Nach der Geburt ihres Sohnes will Martina Niermann wieder arbeiten und ihre Freundin weiß: Haus Ohrbeck sucht Reinigungskräfte. Die hat das Haus auch nötig, denn der gerade fertig gestellte Erweiterungsbau braucht dringend mehr Hände.

Ihr Arbeitsbeginn findet, von heute aus betrachtet, in einer anderen Welt statt: Haus Ohrbeck wird Ende der 80er Jahre von einem Franziskaner geleitet und auch die Hauswirtschaft wird (noch bis 2005) von Thuiner Franziskanerinnen geführt. Für die Mitarbeiterinnen der Hauswirtschaft gibt es eine Kleiderordnung bei der Arbeit: wadenlange Röcke – »einfach nur unpraktisch«, wie Martina Niermann kopfschüttelnd sagt. Der Begriff »flexibles Arbeitszeitmodell« ist noch in weiter Ferne: »Wir wurden zwei Mal in der Woche gebraucht: Am Montag und am Freitag.«

Die wadenlangen Röcke sind irgendwann Hosen gewichen, und auch Haus- und Hauswirtschaftsleitung haben sich geändert. Heute ist ein flexibles Arbeitszeitmodell an der Tagesordnung, bei dem mehrfach wöchentlich Bedarf an Reinigungskräften besteht. »Ich hab das alles einfach mitgemacht«, sagt Martina Niermann mit großer Gelassenheit.

»Das hab ich so genommen wie mein Zuhause.«
Der Haustrakt hinter Kirche und Konvent wird »ihr« Haus, hier kennt sie wirklich jeden Winkel. Drei Seminarräume, 20 Gästezimmer, Flure, Treppen und Fenster gehen jahrelang durch ihre Hände. Kleine Handgriffe hier und da werden von ihr wie nebenbei und »mal eben« mitgemacht. »Das hab ich so genommen wie mein Zuhause« sagt sie – und das war dem Haus auch immer anzusehen. Und wenn Gäste – was ab und an vorkommt – ihr Zimmer in Unordnung zurücklassen, hat sie das mit ihrer typischen Gelassenheit kommentiert: »Ach, wir waren auch mal jung…«

»Ich hör euch wohl…«
Ja und jetzt? »Ach, ich hör euch wohl, ich kriege noch genug mit!« ist die Antwort, denn Martina Niermann wohnt nur einen Steinwurf in Hör- und Sichtweite von Haus Ohrbeck entfernt – wenn zum Beispiel im Herbst der Hausmeister das Laub zusammenpüstert, bleibt ihr das nicht verborgen. »Ich bin all die Jahre sehr gerne in Haus Ohrbeck gewesen«, sagt sie, »und gehe jetzt sehr gerne in Rente.« Pläne zusammen mit ihrem Mann gibt es reichlich…

Kann es besser sein? Wir meinen: Nein! Wir wünschen Martina Niermann von Herzen alles Gute!